Naherholung und Naturschutz in den Flußauen der nördlichen Oberrheinniederung unter besonderer Berücksichtigung des Stechmückenproblems
Meine Diplomarbeit, die ich am 14.02.1997 beendet habe, befasst sich mit dem Problem der Naherholungsnutzung in den Auen, die einen ökologisch immens wichtigen Lebensraum darstellen und als letztes Refugium vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten besonders schützenswert sind. In diesem Zusammenhang wird die Rolle der Stechmücken als Schutz vor einer Übernutzung durch Erholung-suchende in den Auen untersucht.
Auenlandschaft am Rhein: Naturschutzgebiet Kühkopf Knoblochsaue
Im allgemeinen Teil der Arbeit wird zunächst auf die natürlichen Gegebenheiten sowie die abiotischen und biotischen Faktoren hingewiesen, die zur Entstehung und zum Fortbestand der Aue von Bedeutung sind. Danach wird die Rolle des Menschen in der Aue erörtert. Ein kurzer Abriss zeigt die frühe Einflussnahme des Menschen auf die Aue, die mit wasserbaulichen Maßnahmen bis heute fortbesteht. In diesem Kapitel wird auch die Naherholungs-nutzung als Teil der Nutzung der Aue durch den Menschen angesprochen. Desweiteren wird die Biologie und Lebensweise der Stechmücken sowie deren Bekämpfung erläutert.

Die Wiesenmücke (Aedes vexans) und ihre Entwicklungsstadien
(PREUSS, G. 1991: Pflanzen - Tiere - Lebensräume. 525 S., Landau in der Pfalz)

Weibchen (rechts): Natürliche Größe von der Rüsselspitze bis zum Hinterleibsende etwa 8 bis 9 mm. Eier (links unten). Larve von oben (links Mitte): Das letzte Hinterleibsglied mit Atemrohr, Ruderbürtste und Kiemen ist um 90° nach rechts verdreht dargestellt. Bei der lebenden Larve befindet sich das Atemrohr auf der Rückenseite; Ruderbürste und Kiemen liegen dementsprechend auf der Bauchseite der Larve. Puppe (links oben) in ihrer natürlichen Haltung, wie sie am Wasserspiegel hängt: Am Vorderkörper hat sie zwei Atemrohre (Atemhörnchen).

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Anhand einer Befragung zu den Themenbereichen Erholung, Naturschutz und Stechmücken in den ausgewählten Ausflugsgebieten sowie einer Kartierung von Infrastruktur, Nutzungsspuren und äußeren Einflüssen in den Ausflugsgebieten wird es möglich, die beiden Naherholungsgebiete Berghäuser Altrhein und Kühkopf-Knoblochsaue in bezug auf ihre Belastungen durch verschiedene Nutzungen zu vergleichen. Die Wünsche der Besucher dieser Erholungsgebiete werden dabei genauso erfasst wie störende Einflüsse auf die Besucher. Ein Schwerpunkt bei der Befragung ist die Stechmückenproblematik.
Bearbeitungsgebiet Berghäuser Altrhein südlich von Speyer
Bearbeitungsgebiet Kühkopf-Knoblochsaue (ca. 30 km südlich von Mainz)
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Anhand der Ergebnisse der Befragungen wird festgestellt, dass die Besucher der Erholungsgebiete in erster Linie Entspannung und Erholung von der Arbeit suchen und sich in den meisten Fällen am Sonntagnachmittag im Erholungsraum einfinden. Die Besucher der Ausflugsgebiete fühlen sich grundsätzlich durch Stechmücken gestört, wobei die Störung häufig zum Vertreiben aus dem Erholungsgebiet führt. Die in den Untersuchungsgebieten durchgeführte Stechmückenbekämpfung ist wirksam und wird von den meisten Befragten gefordert.
Besucheraufkommen im Informationszentrum Kühkopf-Knoblochsaue von April 1995 bis Dezember 1996 (BAUMGÄRTEL, R. 1996, unveröffentlichtes Datenmaterial)
Anhand der Grafik lässt sich in den Sommermonaten ein Einbruch der Besucherzahlen feststellen. Im gleichen Zeitraum ist die Stechmückendichte am höchsten.
Die Kartierung der Nutzungsspuren am Berghäuser Altrhein und im Gebiet Kühkopf-Knoblochsaue ergänzt die Befragungen in idealer Weise, denn hierbei werden auch die vorhandenen Nutzungsspuren von Anglern und Bootfahrern festgehalten, die beide durch die Befragung kaum registriert werden konnten. Ebenso werden die stark durch Wanderer und Radfahrer beanspruchten Bereiche festgehalten, sowie die große Zahl von Sonnenbadenden und Badenden.
Fahrradfahrer am Forsthaus Kühkopf bei Riedstadt-Erfelden, Kreis Groß-Gerau
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Als Ergebnis der Arbeit können folgende Aussagen festgehalten werden:

  • Die Besucher der Bearbeitungsgebiete benötigen die Ausflugsgebiete für ihre Erholung und ihre Regeneration
  • Besucher können schon als Einzelperson, besonders jedoch, wenn sie in Massen auftreten, erhebliche Störungen in den Schutzgebieten hervorrufen
  • Einflüsse, die nicht von der Erholungsnutzung ausgehen, wirken ebenfalls auf die Erfassungsgebiete ein
  • Besucher werden im Sommerhalbjahr (April bis September) von Stechmücken aus den Ausflugsgebieten in den Auen vertrieben, das heißt, das Auftreten von Stechmücken reduziert die Besucherzahlen
  • Maßnahmen zur Sicherung und Erweiterung der Schutzgebiete sind nötig, da die Einstellung der Stechmückenbekämpfung allein das betreffende Gebiet nicht schützt
Weidenbestände im Überflutungsbereich der Aue bei Hochwasser - Kühkopf bei Erfelden
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Abschließend werden konkrete Lösungsvorschläge für die erörterten Konflikte in beiden Untersuchungsgebieten gemacht, was die Arbeit an die Praxis heranführt. Der Konflikt zwischen Naherholung, Naturschutz und Stechmücken ist zwar nicht gänzlich zu lösen, aber in entscheidenden Punkten zu entschärfen. Hauptsächlich finden die folgenden Vorschläge Beachtung:

  • Einleitung besucherlenkender, vor allem 'sanfter' Maßnahmen, wie Information von Besuchern und Anliegern

  • Schutz bestehender Schutzgebiete und besonders schützenswerter Schutzgebietsteile vor den Einflüssen massenhafter Nutzung

  • Reduktion äußerer Einflüsse

  • Zurückstellung wirtschaftlicher Interessen gegenüber dem Naturschutz in den Schutzgebieten

  • Reduktion der Stechmückenbekämpfung in schützenswerten Bereichen
Bootsanleger mit Trittschäden, Feuerstelle und Abfällen. Berghäuser Altrhein
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© Text & Fotos 1997-2002 by Wolfram Niebling
 

Diese Arbeit ist erschienen in:
Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz - Zeitschrift für Naturschutz
Band 9, Heft 1, 1999, ISSN 0934-5213, Seite 213-266.

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